Sakuma-System Charakteristika

Sakuma-Verstärker haben unter japanischen Audiophilen einige Kontro- versen ausgelöst.

Einige meinen: 'Sakuma-Verstärker sind das absolut Beste, wenn es ums Musikhören geht'; während andere sagen: 'Nach seinen Schaltungen zu urteilen, hat er keinen blassen Schimmer von Audioelektronik. Seine Verstärker könnten sogar zur Zer- störung der Lautsprecher führen'.

Um Missverständnissen vorzubeugen und um ehrlich zu sein, will ich gerne einräumen, dass die letztgenannte Meinung sogar überwiegt.

Die Geschichte begann vor 20 Jahren. Sakuma hörte damals gerne Be-Bop-Jazz. Besonders gerne hörte er Klavierstücke, die von Bud Powell gespielt wurden.

Er hatte schon viele Lautsprecherboxen ausprobiert: Western Electric, Lansing (JBL), und andere renommierte Marken. Sie klangen zwar überdurchschnittlich gut, aber eben nicht gut genug für Sakuma.

Eines schönen Tages kaufte er sich ein Lautsprecherchassis von Lowther - ein PM6. Das Aussehen von diesem Teil ... potthässlich! Der Klang ... miserabel!! Aber obwohl das jetzt seltsam klingen mag, hatte er diesen Lautsprecher auserwählt. Er sagte 'Irgendwas steckt im Klang der Lowther, das mir schon lange gefehlt hatte. Ich konnte es nicht genau heraushören, aber ich fühlte es.'

Als er die Lowther das erste mal an seinen Verstärker anschloss, war der Klang des PM6 recht dünn. Also begann er, Tag für Tag einen Verstärker zu entwickeln, der zu diesem Lautsprecher passt.


 

Nach fünf Jahren mit unerquicklichen Resultaten, kam er auf die Idee, einmal einen Zwischenübertrager einzusetzen. 
Obwohl diese Transformatoren klanglich als nicht besonders vorteilhaft gelten, holte der Verstärker nunmehr einen wunderschönen Mittenbereich aus dem Lowther heraus.

Sakuma erinnert sich: 'Ich schmökerte jeden Tag in den Nachschlagewerken und den Büchern über Röhrentechnik. Aber dann hatte ich das Gefühl, der alte Zwischenübertrager sieht mich an und fragt mich: "Sakuma, für wen baust Du eigentlich Deine Amps? Für Lob und Anerkennung durch Professoren der Elektrotechnik vielleicht?"

Seitdem habe ich nur noch Verstärker zu meinem eigenen Vergnügen und nach meinen eigenen amateurhaften Vorstellungen gebaut'

Schaltungsmäßig hatte er bereits Gegenkoppelung, Gleichstromheizung der Endröhre sowie SRPP durch. Nun ging er von der kapazitiven Koppelung auf die Übertragertechnik über.

Sakuma stellt fest: 'Meist verwenden die japanischen Hifi-Freunde Verstärker mit hoher Ausgangsleistung damit sie kräftige Mitten und viel Bass bekommen. Exzellente Lautsprecher aber, wie zum Beispiel von Lowther und Altec, widersetzen sich dieser brutalen Kraft.

Das wichtigste Ziel ist für mich nicht Leistung, sondern Energie und Klangabbildung oder Klangfeld. Das einzige Mittel mit dem ich dies erreicht habe, waren Audiotransformatoren. Warum das so ist - eine wissenschaftliche Erklärung dafür, kann ich Ihnen jedenfalls nicht liefern.

Eine Referenzschaltung nachzubauen oder eine Vorlage aus der Zeitschrift 'MJ' zu nehmen, ist nicht schwer. Aber auf diese Weise kann ein Verstärker nicht besser werden. Wenn ich einen Verstärker baue, höre ich nicht auf, die Musik zu hören und nichts als die Musik, um in meiner Imagination dahin zu kommen, wo ich hin möchte. Nachdem ich das herausgefunden habe, ist es für mich ein leichtes, einen Verstärker zu bauen'

Für den Titel seines Buches, so wie für seine Audio-Konzerte wählte Sakuma die Überschrift: 'Erinnerungen an vergangene Klänge'
Es ist die Erinnerung an frühe Gefühle, die wir mit Musik und Ton verbinden.

Das soll nicht heißen, dass wir den Klängen einer Musikbox nachhängen. Wenn wir über ein Audio-System hören, kommt es nur auf unser Gefühl dabei an. Dabei kann es sein, dass wir unser eigenes Gespür verlieren, wenn wir zu viele verschiedene Systeme hören oder Testberichte über Anlagen von anderen Leuten lesen.

Was charakterisiert einen Sakuma Verstärker aus technischer Sicht?

Exemplarisch hierfür stehen der Vt-25/801a Gegentakt-Phono-Vorverstärker und der 50/50 Endverstärker.

Vt-25/801a
 

RIAA

Sakuma entwirft hier seinen eigenen LC-Filter-Schaltkreis. Übliche RIAA-Entzerrer sind so gebaut, dass sie die Signalkorrektur vollständig übernehmen. Tatsächlich aber besteht ein Verstärker aus vielen aktiven Komponenten.

Bei einem Sakuma System arbeiten viele Teile sowohl im inneren des Verstärkers, als auch außerhalb, in einer Art Konzert zusammen, um den Klang zu formen.

der DL-102 Tonabnehmer, die vielen Übertrager, Ölgefüllten Kondensatoren und der Lowther Lautsprecher. Alle haben ihren eigenen Ton.
Sakuma sieht Audio-Systeme konsequent als Kette. Das heißt, dass wir Konstruktion und Teile in einem ganzheitlichen Ansatz sehen müssen, der auch noch den Hörraum mit einbezieht. Das perfekte Zusammenwirken dieser Momente führt zu einem verbesserten Klang.

Ein Detail sehen wir hier:

'VL-208' ist eine kleine Drossel von TAMURA.

Die Induktivität dieser Drossel kann mittels einer Schraube variiert werden.

Warum hört Sakuma Mono?

Dafür gibt es keine einfache Antwort und diese Frage wird von vielen Musikliebhabern immer wieder gestellt. 'Es gibt aber niemanden, der diese Frage nach einem meiner Audio-Konzert gestellt hätte.' sagt Sakuma.

Der 50/50 Eintakt-Endverstärker


Warum verwendet Sakuma TAMURA-Komponenten?

Wenn ein neuer Übertrager entwickelt wird hat der Designer immer auch die anderen Trafos der Firma im Kopf. Sakuma verwendet daher nur die Teile dieses einen Herstellers um damit zusammenhängende Probleme zu vermeiden. Erfahrene Verstärkerbauer wissen, dass selbst ein Netztransformator 'seinen eigenen Ton' hat.

TAMURA ist die einzige Firma, die in der Lage ist, all die verschiedenen Arten von Transformatoren zu liefern, die in einem Sakuma-Amp verbaut werden. Es ist eine Firma, die es geschafft hat, mehr als ein halbes Jahrhundert lang den 'eigenen Ton' zu halten. 

Warum benutzt er aber auch noch ungebräuchliche Röhren und 'falsch angepasste' Ausgangsübertrager?

Wir räumen ein, dass einem die Beschreibung von Sakumas Designs unglaubwürdig vorkommen kann.

Herr Kei Ikeda, eine unangefochtene Autorität unter den japanischen Audiophilen äußerte sich dazu so:

'Die Leute sollten wirklich nicht abfällig über die Methoden von Sakuma reden. Er schöpft seine Ideen aus einer tieferen Inspiration als sich die meisten von uns es sich vorstellen können'. Nach diesem Worten verstummten die kritischen Stimmen aus der japanischen Verstärkerbauer-Szene.

Ungebräuchliche Röhren haben noch ihre Geheimnisse.

Nachdem er sehr viel herumprobiert hatte, fand Sakuma auch hier seine beste Zusammenstellung.

Verstärker nach dem Sakuma-System kann man nicht käuflich erwerben, man muss sie sich selber bauen, so wie das folgende Prachtexemplar von Takuji Yamamoto.

4212 Gegentakt-Endverstärker mit 4212 als Treiberröhre