LeBong | Phono Mono Gear

 Johannes LeBong, Karlsruhe, den 28. März 2007
Homepage: lebong.de


English version   


 

Erinnerungen an den Klang der Vergangenheit ::

Eine alte Schallplatte auflegen und erwartungsvoll die Nadel absenken... das sind oft spannende Momente, kurz bevor der Spaß beginnt. Mal erklingt ein mitreißendes Solo eines genialen Jazz-Gitarristen - 'Wes Montgomery' vielleicht - ein andermal eine tolle Klassik Interpretation, oder die Beatles-Scheibe 'A Hard Day's Night' löst einen romantischen Flash-Back aus. (Label: Parlophone PMC 1230 - Mono - 1964)

Auf dem Monoalbum kommen die Pilzköpfe ganzheitlich rüber, die Stereoausgabe wirkt dagegen wie zerlegt in isolierte Links- und Rechts-Ereignisse. Das ist typisch für viele bedeutende Produktionen dieser Zeit, sie klingen in der ursprünglichen Mono-Edition nicht selten natürlicher als in Stereo. Den Klassik-Kennern braucht man nichts über großartige Mono-Einspielungen zu erzählen. Schöner geht's öfter nicht, da hilft keine moderne Technik. 

Es waren übrigens die 'Beatles' und wenig später die 'Rolling Stones', die mich in meiner Jugend total antörnten, mir eine Elektrogitarre zu kaufen und in einer Beatband mitzuspielen. Als die Beatles mit der Scheibe 'Love Me Do' herauskamen, besaß ich übrigens gerade mal einen ganz schlichten Lenco Plattenspieler mit Kristalltonabnehmer, dazu einen japanischen 'Monarch'-Amp mit Isophon-Boxen dran. Es war die Zeit der 45er Singles. 33er Langspielplatten ragten über meinen kleinen Plattenteller am Rande hinaus und eierten meistens, weil sie nicht vernünftig auflagen. Diese einfachen Geräte blieben aber nicht lange bei mir, denn schon seit Schülertagen wechselte ich ständig die Anlagen und arbeitete mich hoch, in der Hifi-Konsum-Hierarchie. Ich hatte schon immer den Ehrgeiz besser zu hören. Wie auch immer, heute habe ich bedeutend mehr Möglichkeiten...


Es geht also um Mono-Schallplatten ::

In diesem Aufsatz beschränke ich mich auf die besondere Wiedergabe-Technologie für Langspielplatten ab 1948. Dies war ungefähr der Zeitpunkt, als die ersten Vinyl-Schallplatten mit 'Mikrorille' verkauft wurden. Die Schellackplatte mit der so genannten 'Normalrille' war danach recht schnell obsolet. Vinyl hat eine höhere Oberflächengüte die für besseren Klang sorgt, es ist nicht so zerbrechlich wie Schellack und es ermöglicht eine rationellere Massenfertigung. Mitte der Sechzigerjahre begann sich dann die Hifi-Stereofonie gegenüber Mono durchzusetzen. Damit wäre der Zeitraum und die Art der Musikkonserven, über die ich hier schreibe, hinlänglich eingegrenzt.

Die Widergabetechnik um die es hier geht, hat also nichts mit antiquarischen Schellackscheiben zu tun. Diese klammere ich hier bewusst aus.

Das Thema wird recht schnell ziemlich komplex wenn man genauer hinschaut. Es gibt viele Regeln und davon gibt es wiederum viele Ausnahmen. Mir geht es darum, mir selbst einen Weg durch das Dickicht der Informationen und Möglichkeiten frei zu schlagen und das Erarbeitete schriftlich zusammenzufassen, vielleicht als Anregung für andere Musikfreunde. Mein Ziel ist es, am Ende eine exemplarische Mono-Wiedergabekette aufzubauen. Ich werde Freunde und seriöse Interessenten einladen, ihre Monoplatten mitzubringen und einmal über diese Mono-Anlage abzuhören, so wie es bei der 'Greencone Geschichte' war. Das hat allgemein schon viel Spaß gemacht.

Vorsintflutliche Schnitt-Techniken ::

Wie unterscheiden sich alte Mono-Schallplatten mit Mikrorille von modernen HiFi-Stereo-Schallplatten?

Sie wurden mit deutlich breiteren Rillen geschnitten. Außerdem wiesen sie aufnahmetechnisch teils unterschiedliche Vorverzerrungen auf. Bei jeder Schallplatte sind nämlich die hohen Töne künstlich verstärkt und die Bässe abgeschwächt eingeprägt. Diese Frequenz-Vorverzerrung wird Schneidkennlinie genannt, sie war in dem betreffenden Zeitraum noch nicht genormt.

 (siehe auch meinen Bericht über die 6SL7-Phonovorstufe)

Man braucht also zum Abspielen dieser alten Mono-Schallplatten mit ihrer  breiten Tonrille spezielle Nadeln und - je nach Alter der Aufnahme - spezielle Vorverstärker, am besten solche mit einstellbarer Frequenzcharakteristik. Die Aufgabe so eines Entzerrers besteht darin, den vorher verbogenen Frequenzganz für die Wiedergabe wieder linear zu machen, indem er sich quasi spiegelbildlich zur Schneidekennlinie verhält.

Die Art, wie das Tonsignal in eine Schallplatte eingeprägt und 'codiert' ist, unterscheidet sich grundsätzlich zwischen Mono und Stereo.

Warum Mono-Abtastnadeln? ::

      

Stereoaufzeichnungen erfordern prinzipiell einen völlig anderen Abtaster als Monoplatten. Statt bei der Wiedergabe ausschließlich die seitliche Auslenkung der Nadel in eine Signalspannung umzuwandeln, wird bei Stereo-Abtastern sowohl die Tiefen-, als auch die Seitwärtsbewegung der Nadel zur Generierung des Tonsignals genutzt.

Echte Monoplatten, um die es hier geht, weisen dagegen die so genannte 'Seitenschrift' auf. Das heißt, die Information ist ausschließlich in den horizontalen Kurven der Rille eingeprägt. Diese Tonspur weist eine konstante Breite auf und hat zudem größere Verrundungsradien als eine Stereospur.

Mono - SCHNITTBILD - Stereo

Draufsicht

Bei der neueren 'Flankenschrift' der üblichen Stereoplatten sind die Schallinformation für den linken und rechten Kanal in die Rillenflanken unter einem Winkel von 45° eingeprägt. In der innen liegenden Flanke wird dabei der linke Kanal, in der außen liegenden Flanke der rechte Kanal dreidimensional abgebildet. Diese Methode ermöglicht nebenbei monokompatible Stereo-Aufzeichnungen.

Soweit die Theorie. Die Probleme liegen in der Praxis woanders. Schallplatten sehen auf den ersten Blick alle gleich aus, können aber nicht alle mit der gleichen Technik abgespielt werden. Wenn Sie beispielsweise für Mikrorillen keine passende Nadel verwenden, sondern eine mit schlankem Hifi-Schliff, dann schürft diese tief auf dem Grund der Furche und erzeugt dabei Rauschen und Knacksen. Sind die Tonnadeln zu dünn, oder haben sie den unpassenden Schliff, schliddern sie zittrig durch die Rille und verursachen Signalverzerrungen und Phasenverschiebungen; zudem werden Diamant und Schallplatte stark verschlissen.

Ein anderer, rein mechanischer Abtast-Effekt ist auch noch zu bedenken. Die höchste Frequenz die eine Nadel in der Tonrille abtasten kann, hängt von der Nadel-Dicke und -Form ab. Man kann also feststellen, dass eine dickere Rundnadel integrierend und wie ein mechanisches Hochtonfilter wirkt. So eine Nadel verhilft einem nebenbei zu einem geringern Klirrfaktor, verglichen mit einer nachträglichen elektronischen Filter-Lösung.

Es bedarf wohl keiner weiteren Argumente, um deutlich zu machen, warum moderne Stereo-Diamanten völlig ungeeignet sind, das Klangpotential monophoner Pressungen auszuschöpfen. Als bester Kompromiss gilt eine Rundnadel mit 25µm an einer Nadelaufhängung die mechanisch alle Bewegungsrichtungen für Seitenschrift und Flankenschrift zulässt. Mit so einer dicken Rundnadel kann man ohne weiteres auch mal eine moderne Stereoplatte abspielen, ohne sie zu beschädigen. Die Nadel taucht dabei nur nicht so tief in die Rille ein. Man hat also eine Mononadel, die stereokompatibel ist. Andersherum geht's nicht so gut.

Praxistipp: Alte Monopressungen aus Deutschland erkennt man öfter an einem auf dem Label aufge- druckten Dreiecksymbol, das die Drehzahlangabe '33' oder '45' einschließt. Manchmal findet man sogar noch einen zusätzlichen technischen Hinweis wie etwa 'DIN-Schneidkurve'. Bei alten Platten bis Mitte der 60er kann man davon ausgehen, dass sie mono sind, wenn nicht ausdrücklich Stereo draufsteht.

Außerdem kann man Monos am Buchstabencode vor der Katalognummer oder der Serienbezeichnung erkennen.

Beispiele: Bei Decca hießen die klassischen Monos LXT, die Stereoplatten SXL. Bei RCA (Victor) hießen die Monos beispielsweise LM, LPM, LOP, RD, die Stereovarianten waren dann LSC oder LSP. Bei Atlantic (US Jazz Label) hießen Stereos z.B. SD, Monos hatte teilweise keine Buchstaben vor der Katalognummer.

Aktuell erschienene Mono-Reissues und Editionen ab den 70ern, sind fast immer mit Stereo-Schneidsticheln geritzt. Ausnahme: Classic Records Reissues. Es gibt sogar neuzeitliche Editionen, die extra auf alten Westerex-Schneidköpfen geschnitten wurden.


Mono-Tonabnehmer kann man heute noch kaufen ::

Da wären an erster Stelle einmal die klassischen Studiotonabnehmer von Ortofon zu nennen. Beispielsweise das Modell CG25. Dieses soll technisch dem ersten SPU aus dem Jahr 1948 gleichkommen und damit eine authentische Mono-Wiedergabe ermöglichen. Das CG25 ist ein 'Monohobel im alten Stil' und somit der Tod für Hifi-Stereo-Platten, die man vielleicht einmal versehentlich auflegt. Man muss sich beim Einsatz des CG25 über die technische Zuordnung seiner Schallplatten hundertprozentig sicher sein, und darf nie vergessen, dass die Nadel 'nach oben' und 'nach unten' nicht beweglich ist! Sie kann ausschließlich die Seitenschrift sauber nachzeichnen. Mir wäre das zu riskant. Ich bin ja auch nicht die einzige Person bei uns zuhause, die Schallplatten abspielt.

Die SPU-Tonabnehmer werden wegen ihres besonders fülligen, abgerundeten Tons geliebt. Das gilt für die ganze Familie dieser Oberklasse Pickups.


Das 'Rundfunksystem' Denon DL 102 hat in der heutigen Szene der Monohörer ebenfalls viele Fans gefunden, weswegen ich es hier auch aufführe. Warum das so ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich halte es für keine gute Wahl.

Von der Abstammung her, ist ist ein Verwandter des legendären Denon DL 103 Studiotonabnehmers. (Das DL-103 wiederum ist mein Favorit unter den Stereotonabnehmern - ich benutze eigentlich nichts anderes).

Das DL 102 ist jedoch für eine andere, ganz spezielle Anwendung gemacht: mit dem 102 wurden früher in Studios von Mittelwelle*-Sendern Stereoplatten monofonisch abgespielt. Ein System für die Mono-Mikrorille ist es also definitiv nicht, denn eine Nadel mit 17µm Spitzenverrundung ist in einer 60µm-Rille deplatziert, das ist Fakt.

*Die NF-Bandbreite für Mittelwelle-Radio (oder AM-Radio, von 'Amplitudenmodulation') ist hierzulande auf 4500 Hz begrenzt. Deshalb fehlen bei Mittelwelle jegliche tonale Höhen. Musik und Sprache klingen ausgesprochen dumpf. Zwar können noch alle Grundtöne der gebräuchlichen Musikinstrumente gehört werden, die charakteristischen Klangfarbenunterschiede der Instrumente rühren jedoch von den höher angesiedelten 'Formanten' her.

Hinzu kommt, dass der Höhenfrequenzgang dieses Spezialtonabnehmers nicht besonders linear sein muss, da dieser sowieso im Rundfunkstudio steilflankig gekappt wird. Denon spezifiziert wohlweislich auch nur einen Bereich von 50 bis 10.000 Hz. Vielleicht ist dieser Abtaster deswegen so beliebt, weil er einen konstruktiv ganz einfach aufgebauten echten Monogenerator hat? Ich kann darüber nur spekulieren!


 

Nun kommt meine persönliche Empfehlung, das Ortofon OM D 25 M. Es wird - nach meinem Eindruck - weder vom Fachhandel noch von Highendern angenommen. Es scheint mir eine Art Aschenputteldasein zu führen, wohl weil es so wenig kostet und weil es nicht besonders schick aussieht. Im Vergleich mit Spitzentonabnehmern die man heute für audiophile Stereo-Pressungen nutzt, kann dieses System klanglich nicht glänzen. In Bezug auf die Aufnahme- und Wiedergabetechnologie der Fünfziger- und der Sechzigerjahre steht es jedoch sehr gut da, mit reichlich Abtastreserven. Ich empfehle einen genaueren Blick auf die technischen Daten der Systeme weiter unten in meiner Vergleichstabelle. Wichtig ist vor allem die richtige Nadel. Bei diesem System ist sie goldrichtig und der Nadeleinschub ist sogar auswechselbar.


Ich benutze selbst ein Ortofon OM D 25 M und meine Monoplatten klingen damit sauberer als mit einem Denon DL-103 in Monoverschaltung beispielsweise. Warum das so ist, habe ich ja versucht weiter oben zu erklären. Der Tonarm darf für dieses Ortofon System nicht zu leicht sein.

Praxishinweis: Ortofon gibt für die Auflagekraft unterschiedlich Daten an. Ich übernahm in meiner untenstehenden Tabelle die Daten aus dem Beipackzettel meines Systems. Selbst fahre ich das System mit einer Auflagekraft von ungefähr 4,5 Gramm. Mit dem Tonarm meines Lenco L 78SE Plattenspielers harmoniert das System übrigens sehr gut. Nicht nur klanglich, sondern auch bezüglich Trackability und Tonarmresonanz, was ich mittels einer Testschallplatte nachweisen konnte. 

 


 

Es lohnt sich vielleicht einmal genauer auf die technischen Daten (lt. Herstellerangaben) zu schauen und diese miteinander zu vergleichen.

Ortofon SPU CG25 Ortofon OM D 25 M Denon DL 102
Generatorprinzip Bewegte Spule (MC) Bewegter Magnet (MM) Bewegte Spule (MC)
Generatortyp-elektrisch Mono Stereo (Monoverschaltung) Mono
Generatortyp-mechanisch Nicht mit Stereorille kompatibel Stereo Spulenwinkel 45° Stereo-kompatibel
Ausgangsspannung (@1kHz, 5cm/s) 1,5 mV 4 mV, Lateral (mono) 3 mV
Frequenzumfang 20-18.000 Hz 20-20.000 Hz 50-10.000 Hz
Wiedergabe-Frequenzgang 20-15.000 Hz + 3 / - 1 dB 20-18.000 Hz +3 / - 2 dB
Verzerrungsgrad (DIN 45.542) < 1 %
Abtastfähigkeit (@315Hz) > 60 µm > 70 µm
Nadelnachgiebigkeit dyn. lateral 7 µm/mN
Nadeltyp Sphärisch Sphärisch Sphärisch
Spitzenverrundung R 25 µm R 25 µm R 17 µm
Auflagekraftbereich 3,0-4,0 g (30-40 mN) 3,0 - 5,0 g (30-50 mN)
Empfohlene Auflagekraft 3,5 g (35 mN) 4 g (40 mN) 3,0 g (30 mN)
Eigenimpedanz, DC Widerstand 2 Ohm 750 Ohm 240 Ohm
Empfohlene Lastimpedanz 100 Ohm 47 kOhm
Empfohlene Lastkapazität  - 200 - 600 pF
Tonabnehmergewicht 28,5 g 5 g 13 g
Ungefährer Preis (März 2007) ~ 600 Euro ~ 70 Euro ~ 260 US $

Eine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Daten wird nicht übernommen. Ich bin übrigens immer für freundliche Hinweise dankbar, falls ich einmal etwas versehentlich falsch dargestellt habe.

Man findet sicher mit ein wenig Mühe noch mehr Monosysteme auf dem Markt, als die, die ich hier aufgezählt habe. Ich beschränke mich auf diejenigen, die ich persönlich interessant finde. Nebenbei las ich noch etwas von teuren 'Lyra-Monos' mit besonderen Schliffen - bin aber eher ein Freund von klassischen Rundnadeln für Mono.

Wie man unschwer erkennt, muss man in vielerlei Hinsicht Kompromisse eingehen. Ganz außer acht gelassen habe ich noch die Vintage-Pickups; Sammlerstücke, die durchaus brauchbar sind, solange die Nadel und die Aufhängung des Nadelträgers mitmachen.


Wem das Design nicht zu 'cool' ist und wer einen passenden Tonarm mit SME-Verschraubung hat, der könnte auch das Ortofon Concorde Pro S nehmen. Es ist zwar als robustes DJ-System konzipiert, hat aber zudem eine einzigartige Eigenschaft, die es für Mono-Spezialisten besonders attraktiv macht: eine besonders dicke Rundnadel mit 26 µm Durchmesser.


 

Sind Mono-Geschichten gerade wieder hip? Man könnte es fast meinen! Die Zeitschrift 'LP' brachte im Heft 3/2007 etwas über einen Monotonabnehmer von Grado -  ohne allerdings aussage- kräftige technische Daten aufzuführen. (Was soll das?) Der Tonabnehmer scheint einen Stereo-Generator zu haben, bei dem die Spulen nicht wie sonst üblich angewinkelt sind. Die Nadel mit elliptischem Schliff wird schlicht als 'dick' bezeichnet.

Andere Informationen weisen darauf hin, dass der Frequenzgang des Grado Tonabnehmers im Hochtonbereich künstlich leicht abgesenkt ist. Genau- eres war auch auf Nachfrage beim Fachhandel leider nicht in Erfahrung zu bringen. Klanglich soll das Teil gut sein. Selber habe ich es noch nicht gehört.

 


Wie wird ein Monotonabnehmer richtig angeschlossen? ::

Die Anschlüsse an der Rückseite des Tonabnehmers werden auf Mono gebrückt. Das heißt, die Pins R+L sowie Masse R+L werden jeweils durch einen Draht miteinander verbunden.

Exakt diese Verschaltung empfiehlt man zum Beispiel in alten Beipackzetteln von Shure und Pickering.

Bitte nicht direkt an den Steckerpins des Tonabnehmers löten!

Ein handelsübliches Y-Kabel am Eingang der Phonovorstufe wäre die zweitbeste Lösung, wenn man nicht direkt am Tonabnehmer auf Mono brücken will.

Theoretisch spielt es eigentlich keine Rolle, ob man die Generatorspulen seriell oder parallel verschaltet. Beide Anschlussmodalitäten eliminieren das vertikale Signal indem sie die Signale der rechten und der linken Spule additiv zusammenführen.

Dabei bleibt tatsächlich kein störendes Differenzsignal über. Solange die Spulen genau gleich sind und das System im Horizontalwinkel etc. präzise ausgerichtet ist, löscht sich alles störende gegenseitig aus.

Im vertikalen Signal sind ja keine Musikanteile dabei, sobald man eine Monoschallplatte abspielt, nur Störgeräusche. Und dieses Geraschel wird durch die Monoverschaltung aufgehoben.

Denkt man dagegen an Stereo, sieht es völlig anders aus. Dann wird plötzlich die Differenz zwischen den beiden Kanälen wichtig. Da steckt nämlich die Stereo-Information drin.

Und was passiert, wenn man mit so einer Mono-Verschaltung eine Stereoplatte spielt? Nichts besonderes - man bekommt ein astreines Monosignal zu hören, bei vermindertem Störpegel.

Ab Tonabnehmer geht es anschlusstechnisch am besten konsequent einkanalig weiter. Die Verstärkung erfolgt vorteilhafterweise mit nur einem Verstärkerzug. Falls man keinen geeigneten Monoverstärker besitzt, kann man genauso gut nur einen Kanal von einem Stereoverstärker benutzen.

Ich höre Mono mit nur einem Lautsprecher. Auf diese Weise wirkten Ortbarkeit und Präsenz einer Aufnahme sehr viel realistischer als über Stereolautsprecher. Am besten merkt man das bei einem Soloinstrument.


 


Beispiele für einstellbare Mono-Phonvorstufen in Röhrentechnik ::

Wie man sieht, gibt es an Mono-Tonabnehmern keinen Mangel. Brauchbare, einstellbare Schneidkennlinien- Rückentzerrer für Monoschallplatten, daran fehlt es schon eher. Neuere handelsübliche  Phonoverstärker korrigieren den Ton ja nur nach RIAA-Norm. Von Geräten, die auch die alten Hausnormen der diversen Plattenlabels drauf haben, findet man nur wenige - in Röhrentechnik fast gar keine. Daher meine Motivation das Thema aufzugreifen.

Zu meinem eingangs abgebildeten ECC83 Mono-Vario-Entzerrer gibt es schon eine Vorgeschichte, die in meinem Weblog vom 15. April 2006 geschrieben steht. Mittlerweile handelt es sich bei meinem Eigenbau bereits um das das dritte Evolutionsmodell.

Grundsätzliche Überlegungen zum Design einer einstellbaren Mono-Phonvorstufe ::

Im Internet findet man jede Menge Dokumente und Tabellen in denen die Zeitkonstanten der Vorverzerrung verschiedener Plattenlabels akribisch erfasst sind. Genau genommen, müsste man in letzter Konsequenz in seiner Abhöranlage einen Sudio-Entzerrer mit zig Skalen und Schaltern benutzen, um die entsprechenden Korrekturwerte daran einzustellen. Vorausgesetzt, man weiß hundertprozentig genau, wie die Monoplatte geschnitten wurde, die man gerade mal schnell hören möchte. Daran wird's wohl öfter hapern - und nervtötend fände ich diese Herangehensweise zudem.

Geht es nicht auch bequemer? Und wie hat man es eigentlich früher gehandhabt?


Praxisgerecht - ein Entzerrer von Elac ::

Glücklicherweise entdeckte ich eines Tages einen Entwurf von Elac aus den Fünfzigerjahren der mich mit seinem pragmatischen Bedienkonzept sofort überzeugte. Danach hatte ich lange gesucht. Und man braucht auch nur eine Röhre - das finde ich supergut! Der Elac-Apparat war für Plattenspieler mit den damals neuartigen Magnettonabnehmern gebaut worden. Und zwar für die zu diesem Zeitpunkt handelsüblichen Schallplatten. Hoppla, das sind doch genau die, über die ich mich hier auslasse. 

Ich darf im Kontext einen alten Text aus der 'Funkschau' aus dem Jahr 1955 (Heft 14) zitieren:

"Die Anhänger der besten Tonwiedergabe - Elac hat für diese Interessengruppe den treffenden Ausdruck 'Klangfreunde' geprägt - gehen im In- und Ausland immer mehr auf die Verwendung magnetischer Tonabnehmer über. ... Entsprechende Verstärkerschaltungen werden von den Tonabnehmer-Herstellern vorgeschlagen, die teilweise auch fertige Vorverstärker liefern."

So eine Schaltung funktionierte damals wie heute. Warum auch nicht? Gut genug - oder nicht, das würde sich schon erweisen. Mit heutiger Bauteilqualität und Stromversorgung sollte man es sogar ein bisschen highfideler hinbekommen - here we go...

Stückliste

W1 = 100k W4 = 50k W7 = 1M W11 = 50k W14 = 200k
W2 = 100k W5 = 50k W8 = 10k W12 = 1k5 W15 = 5M
W3 = 1k5 W6 = 100k W9 = 200k W13 = 1M C9 = 2n
C1 = 4µ C3 = 8µ C5 = 50n C7 = 25n C10 = 100µ
C2 = 4µ C4 = 200p C6 = 5n C8 = 100p C11 = 50n


Reproduktion mit freundlicher Genehmigung der ELAC Electroacustic GmbH, Kiel


Eigene Fingerübungen - Erfahrungen mit dem Nachbau ::

Ich habe mir zuerst die Elac Schaltung  nach dem Originalplan aufgebaut. Sie funktioniert in der Tat wie erwartet. Für die Stromversorgung der untenstehenden Schaltungen verwendete ich ein geregeltes Netzteil von 150V, das von einem anderen Projekt stammt. Nach der Fertigstellung spielte der Entzerrer zunächst an einem monoverschalteten DL 103 via Trafo. Das klappt recht gut, wenn man die hohe Ausgangsimpedanz der Elac Schaltung beachtet. Niederohmige Eingänge und lange Kabel kann sie nicht treiben. Die Lastimpedanz sollte mindestens 500k betragen.  In meiner bestehenden Audiokette passt es.  

Den richtigen Ton stellt man ruckzuck nach Gehör ein. Genau so hatte ich mir das gedacht. Dieses intuitive Einregeln der Filter könnte ich mir als nette Übung für Genauigkeitsfetischisten vorstellen, die die Toleranzen von RIAA-Kurven als Maß der Dinge ansehen. Sie würden sich womöglich wundern, wie unempfindlich ihr Ohr gegenüber kleineren Frequenzgangverbiegungen ist. Musikalischen Klang bekommt man eben nicht durch  Zahlenspiele. Schaut man sich die Kurvenschar des Elac-Entzerrers übrigens genauer an, entdeckt man die RIAA-Kurve darin liegend.

Es macht jedenfalls Spaß, an den Knöpfen herumzuspielen. Wenn man die Filter absichtlich etwas verstimmt, kann man auch so eine Art nostalgischen Retrosound oder Dampfradioklang erzeugen. Ansonsten geht's mit einem kurzen Dreh schnurstracks zum klanglichen Optimum.  

 

LeBong | Monotube Einstellbare Mono-Phonovorstufe mit der Triode ECC83


Iterative Weiterentwicklung ::

Im Folgenden versuchte ich die Originalschaltung für meine Zwecke zu optimieren. Aus heutiger Sicht scheint der Arbeitspunkt der ersten Röhre in der Originalschaltung etwas fragwürdig zu sein und auch die Gleichspannungs-Gegenkopplung der Röhren gibt Rätsel auf. Einen Lautstärkeregler kann ich in einer Phonovorstufe gar nicht gebrauchen und die Ausgangsstufe von Elac ist nicht kompatibel zu üblichen Line-Eingängen, wie man sie heute hat. Also machte ich mich daran, die Grundidee in einen neuen Rahmen zu verpflanzen und entferne mich damit weiter von der Vorlage.

Das wesentliche Element der Schaltung sind die zwei stufenlosen Regler für die Tiefen- und Höhenentzerrung. Dieses R-C-Filternetzwerk ist ein klassischer 'Kuhschwanzentzerrer', wie ihn deutsche Ingenieure gern nennen. (Richtiger sagt man 'Baxandall-Filter'). Die Schaltung ist nach P.J. Baxandall benannt, der diese Idee 1952 in Wireless World publiziert hatte, als neuartigen Tonregler für einen Röhrenverstärker.


Experimentelle Variante ::

Damit die Schaltung noch minimalistischer und zudem etwas spaßiger wird, verwende ich in der folgenden Variante einmal die so genannte 'LED-Biasing' Methode. Man findet am Fußpunkt den Röhren eine Leuchtdiode anstelle eines Kathodenwiderstands mit Bypass-Kondensator.

An meinem PC kann ich das Filternetzwerk perfekt simulieren und Auswirkungen von kleinen Veränderungen studieren. Auf diese Weise konnte ich die in der Literatur dokumentierten Frequenzgangkurven visuell gut nachvollziehen. Hier sehe ich in Zukunft noch Ansatzpunkte für Feintuning im Wechsel mit zunehmender Hörerfahrung. Das braucht noch Zeit. Bei meiner letzten Schaltungsskizze handelt es sich also nur um ein Prinzipschaltbild, bei dem auch die Arbeitspunkte der Röhren nicht genau definiert sind.

Abbildung: Einstellbare Mono-Phonovorstufe mit der Triode ECC83 und LED Biasing

Morgan Jones, einen der gegenwärtig bekanntesten Fachbuchautoren über Röhrenverstärkertechnik, hatte beim European Triode Festival über seine Untersuchungen bezüglich LED-Biasing berichtet. Nicht alle Dioden sind für LED-Biasing gleich gut geeignet. Es geht dabei nicht nur ums Rauschen oder um Nichtlinearitäten, sondern in erster Linie um den Zusammenhang zwischen der Schwellenspannung der jeweiligen LED und der Farbe. Um es kurz und bündig zu sagen, nimmt man für so eine Vorstufe am besten Leuchtdioden die möglichst dunkelrot leuchten. Daran kann man passende LED äußerlich erkennen, wenn man sonst keine genaueren Daten von selbigen hat. Morgan schickte mir dankenswerterweise ein paar der Dioden von der Sorte aus England, mit denen er bei seinen Messungen die besten Ergebnisse erzielt hatte.  


Nebenbei noch ein kleiner Exkurs zur Historie von Mono-Tonanbnehmern ::

Das ist für Vintage-Audio-Freaks ein interessantes Gebiet. Hier füge ich noch ein Bild von einem besonders raren Sammlerstück ein. Es ist eine Cellule Clément. Durch meine Verbindung zu den französischen DIY-Kollegen von 'Melaudia' in Paris, hatte ich schon mehr als einmal die Gelegenheit, solche Pickups auf einem 'Système de qualité' zu hören.

Pierre Clément hatte zuerst Schneidemaschinen für Schallplatten fabriziert. 1949 konstruierte er seinen ersten Tonabnehmer. Ungefähr um 1952-1953 herum belieferte er den RTF (Radio Télédiffusion Française) im großen Stil mit seinen ausgezeichneten Fabrikaten. Stereotonabnehmer wollte er später keine mehr bauen - zum Leidwesen der französischen Audiophilen. Der Ton einer intakten Cellule Clément ist nämlich nach Meinung vieler Kenner auch heute noch unübertroffen..

Vom Funktionsprinzip her, sind die Generatoren von Clément weder den MM- noch den MC-Tonabnehmern zuzuordnen. Clément bezeichnet das Prinzip mit 'réluctance variable' (variabler magnetischer Widerstand). Diese Tonabnehmer liefern eine vergleichsweise sehr hohe Ausgangspannung und man benötigt dafür spezielle Entzerrer. Ich bin im Besitz von einigen Dokumenten und Schaltungen von Pierre Clément, die ich noch gar nicht alle auswerten konnte.

 


Nachtrag ::

Hier zeige ich noch eine klassische Entzerrerschaltung für magnetische Tonabnehmer aus den Fünfzigerjahren von der früheren Firma PE (Perpetuum Ebner) aus St. Georgen im Schwarzwald. Sie ist auch für Schellacks geeignet und kommt ebenfalls mit nur einer Röhre EF40 aus.

 

"Die Eisendrossel L mit 0,4H bewirkt in Verbindung mit den Querkondensatoren ein steiles Abschneiden der Rauschfrequenzen. Je weiter der Schalter H nach rechts gedreht wird, um so früher beginnt der Höhenabfall. Dieser erfolgt stets steiler als bei Verwendung eines einfachen RC-Glieds, so dass wertvolle Höhen, die für die Brillanz der Musik wichtig sind, auch beim Abschneiden des Nadelrauschens weitgehend erhalten bleiben. Mit B wird der Grad der Bassanhebung eingestellt. Sind beide Kontakte geschlossen, so bleibt die auf der Platte vorhandene Absenkung bestehen. Öffnet man Kontakt II, dann erhält man mittlere Anhebung, bei geöffneten Kontakten  I und II dagegen starke Anhebung. Die Entzerrerverluste werden in der folgenden Röhre mehr als ausgeglichen, so dass am Ausgang eine Tonspannung von 0,7V zur Verfügung steht. Der verhältnismäßig sparsam bemessene Kathodenkondensator von 4 µF unterdrückt die Verstärkung tiefster Frequenzen und damit etwaige restliche  Rumpelgeräusche des Laufwerks." (Quelle: Funkschau)

Eine kleine Schwierigkeit beim Nachbau dieser Schaltung ist die Spule im Eingang. Man muss sie sich selbst wickeln und abgleichen, da sie nicht als fertiges Bauteil erhältlich ist. Diesen Entzerrer habe ich selbst noch nicht aufgebaut, kann demzufolge auch nicht abschätzen, wie er mit modernen MM-Pickups zusammenspielt.

März 2010 ::

  • Es gibt Firmen, die das DL-102 mit einer Nadel für Mikrorille nachrüsten.
     

  • Im Internet werden neuerdings 25er Nachbaunadeln mit sphärischen Diamanten für die gängigsten älteren Shure HiFi-Tonabnehmer wie das M75 und ähnliche Klassiker angeboten. Ich habe es selbst noch nicht probiert, könnte mir aber vorstellen, dass dies eine gute Lösung ist.

 


 

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