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18. November 2007: 'Winterspaziergang' (mein zweites Haiku)
÷ Bild groß ÷ Bei unserem Sonntagsspaziergang kamen wir an dem alten Backhaus vorbei, das zu einem einsam gelegenen Bauernhof gehört - im Schwarzwald auf einer Anhöhe, unweit von Karlsruhe.
÷ Bild groß ÷ Über dem hohen Torbogen zum Kuhstall prangt ein Familienwappen. Darunter steht eingemeißelt die Jahreszahl '1735'. ______________________ 22 . November 2007: NachrecherchiertWas man auf meinen Fotos sieht, ist der Metzlinschwanderhof. Es handelt sich dabei um den baulichen Restbestand einer früheren Siedlung, deren Anno 1193 überlieferter Name auf Brandrodung hinweist. 1552 standen hier noch fünf Gehöfte, später nur noch ein Einziges. Man vermutet, dass die Siedlung aus Wassermangel aufgegeben wurde. Im 18. Jahrhundert wurde in der Gegend eine Pottaschesiederei betrieben. Heute beschäftigt man sich mit Viehwirtschaft und hält Pferde und Rinder. . November 2007: Schillerstraße 36, Nuovo Gusto, aperto sabato 9:30 - 14:00. Das ist bei uns gerade um die Ecke. Ich gehe manchmal nach den Einkauf auf dem Wochenmarkt hin, auf dem Rückweg, für einen Espresso. Dann denke ich mir: Urbanität hat doch wirklich ihre sehr angenehmen Seiten.
÷ Bild groß ÷ Die kleine Bar existiert nun schon ein paar Jahre. Der italienische Inhaber hatte sich eines Tages aus reiner Liebhaberei eine besonders schöne, klassische Espressomaschine gekauft. Er kennt sich auch mit Kaffeesorten aus. Damit die Maschinerie nicht nur nutzlos herumsteht - für einen Privathaushalt ist sie definitiv zu riesig - spielt er am Wochenende für ein paar Stündchen den Barista und setzt den Kessel ordentlich unter Dampf. Sein Espresso schmeckt super! 14 . November 2007: Bei den kleineren, eher nicht so bekannten 'Kulturtankstellen' für Literatur oder Musik fühle ich mich meist wohler, als bei tollen Großereignissen. Hier ein diskreter Hinweis für Freunde der Kammermusik aus dem Umkreis von Karlsruhe fürs nächste Wochenende:
Herr Volker Rabus, seines Zeichens Klavierbaumeister, gewährt generös freien Eintritt. Es ist aber schicklich, mit einer kleinen Spende zur Künstlerkasse beizutragen. ______________________ Nachtrag 17. November 2007: Bildimpressionen vom kurzweiligen Musikabend.Ganz besonders gut hat mir am Ende die Zugabe gefallen, ein Stück des niederländischen Komponisten Jakob Arcadelt (1504-1568).
÷ Bild groß ÷ Michael Spengler strich mit dem Bogen mal zärtlich verhalten, mal mit Verve über die Saiten seiner altertümlichen Kniegeige und formte Harmonien mit hübschen Verzierungen. Vierhundert Jahre alte Wohlklänge, die einem noch heute sehr vertraut vorkommen.
Das Cembalo, auf dem Meister Rabus an diesem Abend spielte, stammt aus seiner eigenen Manufaktur. Es ist die originalgetreue Kopie eines fürstlichen Instruments, nach Plänen aus dem 17. Jahrhundert gebaut. Das Original steht heute im Smithsonian Museum in Washington. 11 . November 2007: Eröffnungsveranstaltung 'Nurie-Malerei'Fototechnisch sind die jungen japanischen Mütter aus Karlsruhe up to date und zudem ziemlich versiert. Das konnte man schön bei der Eröffnungsveranstaltung im IBZ beobachten. Sie knipsen ihre Kids mit winzigen Digicams, die wie edle Schmuckstücke aussehen. Noch an Ort und Stelle werden flugs untereinander die Bilder getauscht. Hier noch ein paar andere Eindrücke von heute Nachmittag:
÷ Bild groß ÷ Der Chor der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, über den ich schon öfter schrieb, hatte einen kurzen Auftritt im 'Internationalen Begegnungszentrum Karlsruhe' (IBZ). Ich begleitete meine Frau da hin - die zum Chor gehört - wohl wissend, dass es nachher auch noch leckere Sushi gab. Anlass war eine Ausstellung von Nurie-Malerei, die vorher schon mit einigem Erfolg in New York gezeigt worden war.
Es war viel junges Publikum vertreten. Das heißt aber nicht, dass von dieser Maltechnik nur Kinder angesprochen werden sollen. In Japan werden ähnliche Malvorlagen auch in Seniorenheimen benützt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, wie beim Ausmalen beide Gehirnhälften positiv angeregt werden. Dieser therapeutische Ansatz ist neu und es ist eine schöne Beschäftigung für ältere Menschen.
Nurie-Malerei und Nurie-Malbücher sind aus der neueren japanischen
Lebenskultur nicht wegzudenken. Genau so wenig, wie die daraus
hervorgegangenen Manga-Comics. Die Vorlagen dafür stammten ursprünglich aus dem Westen. In der Meiji-Periode (1868 bis 1912) wurde in Japan nicht nur die allgemeine Schulpflicht eingeführt, man übernahm auch westliche Sportarten, Musik und andere Inhalte für den Unterricht. Frau Masa Kaneko hat sich als Sammlerin, Forscherin und Kuratorin dieser Kunstrichtung angenommen. Ihr privates Museum in Tokyo ist hauptsächlich dem äußerst erfolgreichen Nurie-Maler Kiichi Tsutaya gewidmet, dessen Bilder in zweistelligen Millionenauflagen gedruckt wurden. Wie man während ihrer Präsentation sehen konnte, ist
das Museum ein sehr attraktiv gestaltetes, modernes Gebäude.
Das 'Coloring Museum' haben wir schon einmal für unsere nächste Japanreise vorgemerkt. Vielleicht haben wir ja die Möglichkeit Frau Kaneko - links im Bild - an Ihrer Wirkungsstätte zu besuchen. Rechts Frau Mikiko Csizmazia, die die Ausstellung im IBZ organisiert hat. Mehr über die Veranstaltung findet man hier: Bitte benutzen Sie ggf. die Google-Sprachtools oder Altavista- Babelfish für eine Übersetzung aus dem Japanischen. 28. Oktober 2007: Moderne Kompositionen hörten wir im Oktober fast zu oft. Und auch noch in einer Lautstärke, dass uns fast die Ohren klingelten. Eine kleine Auswahl:
÷ Bild groß ÷
Das ZKM feierte beispielsweise Zehnjähriges. Zum
Festakt führte man eine Choreografie des Karlsruher Komponisten
Wolfgang Rihm auf. (Étude d'aprés Séraphin) Eine
computergesteuerte Lichtskulptur, Disco-Blitze und infernalische
Bassgewitter sorgten für ein nervtötendes Spektakel. Es waren auch
Menschen im Spiel - als futuristisch gestylte Ballettfiguren mit
künstlichen Alien-Augen. Im nachtschwarzen Raum agierten Musiker an
klassischen Instrumenten zu Einspielungen von elektronischen Klängen.
Die beste Kritik, die ich im Freundeskreis dazu hörte, war: "Zum ZKM
passt es - oder nicht?". Bei allem Respekt - große Komplimente kann
ich trotz des immensen Aufwands nicht machen. Und gute Laune bekam ich
an dem Abend auch nicht. Andererseits - Wolfgang Rihm bekommt in
Karlsruhe immer besonders viel
Applaus.
______________________ Ganz im Gegensatz dazu
erlebten wir eine Soirée heute im Herrenhaus Edenkoben mit dem 'Ensemble
Modern'. Es war einmal wieder ein Hochgenuss,
bei dem man ungeahnter Phänomene des Klavierspiels, der Flöte,
Klarinette oder Violine erlebte. So etwas höre ich mir gerne
konzentriert an und es stimmt mich heiter. Wir werden noch richtige
Fans von EM.
Früher hatten wir schon Eisler-Material in der Konzerthalle Baden-Baden von diesen Musikern gehört, ein andermal Zappa- Bearbeitungen - immer brillant! Diesmal waren es sieben Stücke von sieben Komponisten neuer Musik.
÷ Bild groß ÷ Mein Foto zeigt die schöne Stimmung im Herrenhaus. Alle Musiker, und dazu die Komponisten, die an diesem Abend fast vollzählig anwesend waren, bekam ich leider nicht vor die Linse. Unglaublich, was im Herrenhaus manchmal an geballter künstlerischer Qualität zusammenkommt. Viele der Anwesenden waren frühere Stipendiaten, die dem Herrenhaus bis heute herzlich verbunden sind. Das Herrenhaus blickt ebenfalls auf eine zehnjährige erfolgreiche Arbeit zurück. ______________________ By the way: Vom brand eins Verlag gibt es jetzt einen Ableger namens 'Neuland', in dem einzelne Wirtschaftsregionen in Deutschland erforscht werden. Im ersten Heft geht es um die Südpfalz. Darin werden auch das Edenkobener Herrenhaus und das Edenkobener Künstlerhaus beschrieben. Ich finde die Idee für so ein Magazin gut.
______________________ Im Oktober ballt es sich wirklich - das
Kulturangebot. Wenn ich da nur an den 'Nachtwandel' im
Mannheimer Stadtteil Jungbusch denke.
÷ Bild groß ÷ Sie arbeitet in der hohen Halle eines längst aufgegebenen Mann- heimer Saunabades. Treppab finden sich altertümliche Baderäume mit medizinisch-technischen Relikten, die einem leicht gruseln lassen. Unser Freund Egon Zippel aus New York war auch zu Besuch und stellte neben neueren Gemälden seine blinkenden Logo-Lichtobjekte im Saunabad von Susanna aus. ÷ Bild groß ÷ Kunstsammler, die sich für die Arbeiten von Susanna oder Egon interessieren, können sich gerne an mich wenden. Susanna beschreibt ihren Malstil als 'Karlsruher Schule'. Ich ordne ihn weiterhin der Kunstrichtung 'Figuration Libre' zu. Das ist auch der Schwerpunkt unserer eigenen kleinen Sammlung. 16 . Oktober 2007: 'Abschied vom Sommer' (mein erstes Haiku)
÷ Bild groß ÷ Brunnen auf dem Gutenbergplatz - in unserem Wohnviertel gelegen. . Oktober 2007: Je suis désolée - leider kann ich nicht mit einer Fotografie von Michel Chion vom gestrigen Abend dienen. Weil ich die intime Lichtstimmung bei seiner Musikaufführung im kleinen Kreis nicht stören wollte, hatte ich beim Fotografieren auf ein Blitzlicht verzichtet. Ich verweise daher auf seine Website, wo er mit einem Portraitfoto zu sehen ist. Das untenstehende Stillleben mit Büchern, Tonbandspule und Musik-CD, hatte ich beiläufig vor dem Konzert geknipst.
÷ Bild groß ÷ Musique concréte und Musique électronique stand an diesem Abend auf dem Programm. Der französische Avantgarde-Komponist, Filmemacher und Autor, der in Paris lebt, war einer Einladung seines Freundes René Bastian gefolgt, in dessen 'kleiner Scheune der Töne' (Petite grange des sons) zwei seiner 'Tonbänder' aufzuführen. Folgende Stücke wurden gespielt:
÷ Erläuterung dazu von M. C. ÷ Hauptsächlich geht es mir darum, Musikfreunde einmal auf die Person Michel Chion und auf sein œuvre hinzuweisen. Über seine 'Kunst der fixierten Töne' viel zu schreiben, dazu fühle ich mich nicht berufen, denn für mich ist das Genre 'Musique concrète' allgemein selbst zu neu.
÷ Bild groß ÷ Was ich zu hören bekam, waren keine Melodien, aber es war auch kein Hörspiel, obwohl Stimmen sehr präsent sind. Die hohe Kunst der Tonerzeugung ist jedoch ganz unmittelbar beeindruckend. Wenn man selbst noch die analogen Tonbandgeräte kennt, hört man vielleicht auch ihre spezielle angenehme 'analoge' Klangsignatur im Konzert heraus. Tonbandgeräte sind bei M.C. nicht nur die bevorzugten Produktionsmittel, sondern manchmal sogar Tonerzeuger, die sich auf sich selbst beziehen und quasi selbstreferenziell funktionieren.
______________________ P.S. Vor vielen vielen Jahren hatte ich auch einmal eine 'schnelle' ReVox-A77 Tonbandmaschine in Halbspurausführung besessen, die im Werk extra auf meine Bandsorte eingemessen worden war. Würde ich heute nicht mehr hergeben... ______________________
Kommentar 17. Oktober 2007:
"...received you email adress from a french friend living and working in Köln. Michel Chion is a teacher in our school. (ESEC) If you want to use this picture on your website, please help yourself! I don't speak german enough to read all your website but I will try... Best regards"
ESEC 6. Oktober 2007: Wie aus der Zeit gefallen. Durch erste hauchzarte Nebelschwaden fahren wir in der Dämmerung über leere Landstraßen ins nachbarliche Frankreich. Am Ziel steht gleich linkerhand am Waldrand ein altehrwürdiges Anwesen.'Restaurant de la Gare' lesen wir auf dem verwitterten Schild. Durch ein paar Fensterläden sickert warmes Licht. Die Autoscheinwerfer huschen über eine emaillierte Werbetafel am Haus - 'Bastian Assurances' - das muss es sein. Wer schon länger meinen Weblog liest, dem könnte dieser Name bekannt vorkommen. Das alte Haus auf dem Land gehört René Bastian, dem französischen Komponisten über den ich schon öfter schrieb. Er hat an diesem Abend ein paar Freunde und Bekannte eingeladen, zu einer 'Paella Musicale'. Es war eine Probe für ein Konzert in Nantois (Meuse) im privaten Rahmen.
÷ Bild groß ÷ Anaïs Havard chante et Mathie Bastian est au piano.
÷ Bild groß ÷ Wir treten ein - Pianoklänge. Ich denke an eine schöne Bar aus einem alten französischen Kinofilm. Mein Eindruck kommt von dem antiken Mobiliar, den stellenweise leicht erblindeten alten Spiegeln mit den prächtigen Goldrahmen, den Lüstern mit ihren Schirmen aus Milchglas, die an das Gaslicht früherer Tage erinnern. In einer Ecke sind diverse exotische Musikinstrumente und Trommeln abgestellt. Man sieht gleich, es ist ein musikalisches Haus. So etwas kann man entweder für einen Film inszenieren, oder es ist eben 'Tradition'. Wir sind schon früh dran, Monsieur Bastian, der auf dem Bild oben am Konzertflügel sitzt, pegelt gerade seine großen Studiomikrofone für die Aufnahme ein.
÷ Bild groß ÷
Wir bedanken uns bei der ganzen Familie sehr für die Einladung! Wir sind sehr glücklich, dass
wir Freunde haben, die noch die Tradition der Hausmusik pflegen. Merci
beaucoup an die charmanten jungen Damen Mathie
Bastian und Anaïs Havard!
Ihr Klavierspiel und Gesang waren einfach schön und abwechslungsreich
- es waren uns unbekannte Stücke dabei. ÷ Bild groß ÷
Haben Sie diesen Herbst schon den neuen süßen Wein
(Feder- weißen) probiert? Der goldene Oktober ist dafür die rechte Zeit.
1. Oktober 2007: Ist schon genug erzählt? Gut möglich! Mal kurz innehalten und nachdenken - bevor es den Lesern meiner Notizen und mir selber langweilig wird. Es kann zur Gewohnheit werden, irgend etwas Belangloses zu schreiben, bloß weil man halt einmal einen Weblog angefangen hat. Bei manchen Bloggern führt's dazu, dass sie plötzlich mit dem Einstellen von Landschaftsphotos anfangen - von wegen 'Horror vacui'. So weit soll es nicht kommen. Und was ist überhaupt aus dem Thema Audio und DIY geworden? Da stehe ich an einem Ort hinter der Ziellinie! Alles was ich mir erhoffte, als ich vor ein paar Jahren anfing, meine Audiosysteme selbst zu entwerfen, sogar mehr, habe ich erreicht. Anerkennung ist da. Sakuma, meinen 'Guru' aus Japan, habe ich getroffen. Die Diskussionen in Audio-Analog- und Röhrenbastler- Foren habe ich bis zum Überdruss ertragen. Meine Themenkreise haben sich perfekt geschlossen - bleibt noch die Kunst. Nein, das ist kein Anflug einer Herbstdepression. Hier ist man guter Dinge und möchte einfach in Schwung bleiben! ______________________ Postskriptum 2. Oktober: Sieh' da, ein 'Leidensgenosse' ;-)
29. September 2007: Im Juli hatte ich schon einmal auf ein Video über Susumu Sakuma bei Youtube hingewiesen. Das folgende ist aktueller und gefällt mir zudem besser.
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