Nachgang


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Die Wanderung 'Auf Schoppes Spuren', mit dem Dichter Michael Buselmeier im September 2006, ist eigentlich nur die Vorgeschichte zur aktuellen Notiz.

Oben versammelt man sich am Ausgangspunkt, dem Reitschulplatz in Gleisweiler. Unser 'Pfadfinder' Michael Buselmeier hatte uns zunächst in den Kurpark Gleisweiler dirigiert und danach in den Garten eines ehemaligen Landsitzes der französischen Adelsfamilie De Barthélemy et de Malespín, worin ein Kapital aus 'Schoppe' spielt. Dieser einzigartige Garten aus der Biedermeierzeit befindet sich hinter dem Tor eines von der Straßenseite her völlig unscheinbar wirkenden älteren Anwesens, dessen historische Dimensionen und unvermuteten Geheimnisse dem zufälligen Passanten streng verschlossen bleiben. Der Kunstmaler und Hausherr Rainer Magold war so freundlich, uns intime Einblicke zu gewähren.

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Ich möchte auf dieser Seite nicht alle Einzelheiten dieser Wanderung nachzeichnen. Sie führte über die Winzerdörfer Burrweiler, Weyher und Rhodt in das Künstlerhaus Edenkoben, wo man gemeinsam zu  Mittag aß und Buchauszuge vom Autor vorgelesen bekam.

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Durch die Lektüre von 'Schoppe' und nicht zuletzt durch die Wanderung, bildete sich für meine Frau und mich eine Art fixer Bezugspunkt im Koordinatensystem der Pfalz heraus, den wir im 'Nachgang' für eigene Exkursionen nutzen.

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18. März 2007:  Nachgang

Direkt neben dem besagten Wanderer-Treffpunkt am Reitschulplatz in Gleisweiler ragt eine Stele auf. Es ist eine kantige Gitterstruktur aus Edelstahl, die sich ungeachtet ihrer modernen Anmutung wunderbar in die vorherrschende altertümliche Dorfromantik einfügt. Wir konnten diese Skulptur unschwer als eine Arbeit von Prof. David D. Lauer identifizieren, da ähnliche Skulpturen von ihm den Vorplatz der Karlsruher Raumfabrik schmücken. (Am 9. Oktober 2006 hatte ich in meinem Weblog eine Ausstellung von Prof. Lauer in der Raumfabrik notiert)

Weil wir wussten, dass  Prof. Lauer in Gleisweiler wohnt, erschien es uns naheliegend, ihm auch noch ein etwas zurückgesetzt stehendes  'Architekten-Haus' zuzuschreiben, welches wir dort sahen. Es ist teilweise mit Holz beplankt und versteckt sich fast ein bisschen hinter einem uralten Baumbestand.

Da hatten wir falsch geraten! Wie auch immer - den Besitzer oder die Besitzerin stellten wir uns jedenfalls in unserer Phantasie als eine Person von gutem Geschmack und Gestaltungswillen vor, und nicht etwa als irgendeinen reichen Villenbesitzer.

Rechterhand vom Reitschulplatz Gleisweiler schließt sich ein stattlicher Altbau an, dort sahen wir in den Fenstern hinter halb heruntergelassenen Jalousien so etwas wie die Utensilien eines Fotografen.

Das Rätsel um die Häuser löste sich alsbald auf: Es handelt sich bei der Anlage um den Simonshof.

   www.simonshof.com

Erika Sulzer und Prof. Peter Sulzer hatten das herunterge- kommene Anwesen 1973 erworben und als Platz zum Wohnen und Arbeiten hergerichtet. Eine Bekannte hatte uns auf eine 'Designausstellung' in Gleisweiler hingewiesen, die in diesem Haus zu sehen sei. So machten wir uns wieder einmal auf den Weg in die Pfalz.

(Innerlich zucke ich immer leicht zusammen, wenn jemand 'Design' sagt. Ich empfinde es fast schon als Negativbegriff, weil heutzutage jeder Konsummüll so apostrophiert wird. Genauso zucke ich, wenn jemand 'Kunst' sagt, denn Kunst ist heute in weiten Teilen leider auch nur noch 'Markt', wenn es kein 'Kitsch' ist).

Ich hatte also keine gesteigerten Erwartungen, als wir durch das große Portal des Simonshofs traten und an der Haustür läuteten. Als man uns öffnete, war meine Skepsis gleich verflogen. Wir wurden vom Hausherrn Prof. Sulzer in einer sehr freundlichen und ruhigen Atmosphäre empfangen. Er ließ seine Frau entschuldigen, die gerade an einem Fotobuch arbeite, und führte uns persönlich durch sein Haus. Das war ein sehr anregender Besuch - nicht nur wegen der vielen Geschichten, die sich um das Haus und die Sammlung ranken. Ich darf mich schon jetzt, an dieser Stelle bei Herrn Prof. Sulzer bedanken.

In meinen Notizen kann ich nur ein paar flüchtige Bildeindrücke wiedergeben - wir waren ja nicht zum Fotografieren in die Ausstellung gekommen. Leider fehlt dadurch ein ganz wesentlicher Part, nämlich der Raum mit den Arbeiten des früh verstorbenen Sohnes Friedrich Sulzer. Seine Eltern haben ihm im Haus ein kleines Museum eingerichtet und die Stiftung Simonshof gegründet.

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Prof. Peter Sulzer erläuterte uns ein paar Arbeiten seines Sohnes. Vorne links im Bild einen Hocker von 1996. Rechts ein Tischssystem mit einer hoch entwickelten Holz-Fügetechnik.

Zur Vita: Friedrich Sulzer war Schreinermeister, studierte Industrie-Design an der Ecole Nationale Supérieure de Création Industrielle, Paris, war wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Votteler und lehrte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Er war Mitbegründer von newcraft    newcraft.de

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Überall im großen Haus bewunderten wir Designklassiker und Möbel, die Geschichte gemacht haben. Oben im Bild steht eine Vitrine mit Büchern von Prof. Sulzer. Eine Liste mit Publikationen findet man leicht im Internet, beispielsweise hier:   deu.archinform.net

Wir erfuhren in Kürze sehr viel über sein reiches Lebenswerk als Architekt und Gestalter, tauschten uns über gemeinsame Bekannte aus und durften viele neue Erkenntnisse mitnehmen.

Prof. Sulzers Vater mit dem Namen Karl Sulzer war Bildhauer. Wie hier im Treppenhaus finden sich überall seine Skulpturen, auch im Garten. Hier klafft eine weitere Lücke in meinem Bericht. Ich habe weder Fotos vom Garten, noch von der sehenswerten Architektur des Neubaus in dem die Familie wohnt. 

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Hier sieht man einen Arbeitsplatz im Original Bauhaus-Stil mit einer Lampe von Dell (1929). Es gibt noch viele andere Stücke aus dieser Ära im Haus.

 

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Im Obergeschoss ein Zimmer in Ocker mit schlichten Stuck- verzierungen, die Peter Sulzer, wie vieles andere auch, eigenhändig restauriert hat. Der Verputz ist übrigens aus Lehm. Dieser Raum beherbergt eine Stuhlsammlung

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Ein solider Küchenstuhl von einem unbekannten Designer.

Die Vielfalt der Sitzmöbel reicht von uralten Stücken, wie grob gezimmerten Prototypen von Le Corbusier, bis zu modernen, filigraneren Entwürfen. Hier auf den Bild ein sanft federnder Stuhl aus Stahl, für den man sogar ein Patent bekam, weil es dabei um die technische Funktionalität geht.

In einem kleinen Zimmer sieht man noch eine Sammlung von Braun Geräten. Oben ein Küchenregal mit Alu-Einschüben, ein Relikt aus der legendären 'Frankfurter Küche'  (Design Margarete Schütte- Liholzky).

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Die kompakte Radio-Phono-Kombination 'Braun Studio 1' im Design von Hans Gugelot ist ein rares Sammlerstück. Das Gehäuse ist aus Polyester GFK. Dieses Röhrengerät war von 1957 bis 1959 im Braun Programm und kostete damals stolze DM 1080,-

P.S. Eine sehr nette Geste von Herrn Prof. Sulzer möchte ich noch besonders erwähnen und mich dafür bedanken. Er händigte mir zu Studienzwecken ein unersetzliches Dokument aus dem Fundus seines Sohnes aus, damit ich es zuhause in Ruhe studieren kann: Eine Zeitung mit dem Titel 'Le Banal'.
 

Auch wenn das Blatt aussieht wie eine vergilbte Ausgabe der französischen 'Le Monde', handelt es sich nicht um eine richtige Zeitung. Tatsächlich ist es ein Teil der Diplomarbeit von Friedrich Sulzer an der Ecole Nationale Supérieure de Création Industrielle in Paris, wo er sich 1999 mit der Frage beschäftigt, ob und warum Gegenstände banal sind - oder nicht. Die Zeitung möchte ich noch durcharbeiten, da mich das Thema reizt.


Apropos Hifi: Vielleicht erinnert sich noch jemand an das Akustik-Fiasko im Berliner Reichstag. Die Glasarchitektur von Norman Foster sorgte im Zusammenwirken mit ungedämpften Stein- und Holzflächen anfangs dafür, dass niemand im Parlament ein Wort verstand, das in die Mikrofone gesprochen wurde. Um das Problem zu lösen, hatte man  - neben anderen baulichen Maßnahmen  - die gerade neu installierten Lautsprecherchassis wieder herausgerissen.

Auf Schoppes Spuren waren wir am Haus eines Audio-Entwicklers vorbei gekommen. Das kleine Firmenschild an seinem Tor hatten wir bei dieser Gelegenheit nebenbei bemerkt, aber nicht weiter beachtet.  Prof. Sulzer wusste dazu  folgende Anekdote: Der freundliche Inhaber soll die so genannten 'Süssmuth-Chassis' von der Baustelle en gros aufgekauft haben und seinerseits gute Hifi- Lautsprecher daraus machen.


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