Reisebericht Japan 2010

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Tokyo Anfang Mai 2010: Golden Week  - auf einheimisch 'Goruden Wiku' gesprochen - ist eine  Feiertagsserie, die in der beliebtesten Jahreszeit liegt, mit zuverlässig gutem Wetter, bei noch erträglichen Temperaturen. Die meisten Arbeitnehmer versuchen, an diesen Tagen frei zu bekommen. Hotels und Flüge sollte man daher sehr früh buchen und man muss mit Preisaufschlägen rechnen. Es war also ein Glücksfall, dass im New-Otani noch etwas frei war ext link icon newotani.co.jp

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Das Hotel 'New Otani' kannte in Japan fast jeder, dem wir davon erzählten. Es ist nicht billig aber dennoch einen Besuch wert, auch wenn man dort vielleicht nur mal vorbeischaut und einen Kaffee trinkt. Das folgende Bild nahm ich bei unserem ersten Frühstück durch die Panoramascheibe des Restaurants auf. Der hauseigene japanische Garten lag uns am Sitzplatz quasi zu Füßen. Wir verbrachten zwei Nächte in diesen fantastischen Hotel mit seinem überaus zuvor-kommenden Servicepersonal.

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Der Kaiserplast mit seinem Wassergraben säumte unseren Fußweg zu unseren nächsten Zielen, zum Beispiel dem National Museum of Modern Art ext link icon momat.go.jp wo wir uns mit Robert und Masami trafen, die wir von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Karlsruhe kennen.

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Überhaupt präsentierte sich Tokyo an diesem goldenen Wochenende ganz unerwartet ruhig, die große Ringstraße um den Palast war für Autos gesperrt, man begegnete hauptsächlich fröhlichen Radfahrern, Joggern und Flaneuren.

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Im MOMAT schauten wir uns unter anderem die Ausstellung 'Where is Architecture? Seven Installations by Japanese Architects' an.

Der gemeinsame Museumsbesuch mit den beiden passte auch insofern recht gut, weil Robert derzeit gerade in Tokyo im Fach Architektur promoviert und Interessantes zu erzählen wusste.

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Das Museumsrestaurant 'Queen Alice Aqua' ist übrigens sehr nett gemacht.
Der Chef Ishinabe Yutaka bietet eine leichte französische Küche an, die zudem nicht teuer is
t. Die Front des Restaurants und seine Terrasse öffnet sich zum Kaiser-palast hin.

Wir gehen sowieso gern in Museumsrestaurants, weil Interieur, Küche und Publikum meist nach unserem Geschmack sind.

Tokyo funktioniert in mancher Hinsicht als Zukunftslabor, wo man neue Trends lanciert. Und so kommt's, dass selbst ein profaner Fast-Food-Laden sehenswert sein kann.

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Schade, dass es hierzulande bei uns nicht so adrett und blitzsauber zugeht!

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Zu Issey Miyake pilgerte ich schon in jüngeren Jahren nach Paris und besuchte seinem dortigen Flagship-Store, der damals als Mekka der Modebewussten galt. In Tokyo geht das Designmuseum 21_21 auf seine Initiative zurück. Der Architekt ist Tadao Ando, den wir sehr schätzen und von dem wir schon viele Bauten in verschiedenen Län- dern besucht und bewundert haben.

Ein Besuch der Ausstellung 'Post Fossil - New trends in the design world from the eyes of world-renowned trend-forecaster Li Edelkoort' wollten wir uns also nicht entgehen lassen.

Vom New Otani aus ist auch dieses Museum bequem zu Fuß zu erreichen.

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Leider darf in der absolut sehenswerten Ausstellung, die 190 Arbeiten von 71 Kreativen zeigt, nicht fotografiert werden, weswegen ich auf einen Link bei 'Wallpaper' verweise, wo es eine schöne Bildergalerie davon gibt ext link icon wallpaper.com

Um die Verbindung zum Thema Audio und Musikwiedergabe nicht völlig aus den Augen zu verlieren, möchte ich die riesigen Lautsprecher-Skulpturen des schwedischen Künstlers und Archi- tekten Mats Theselius mit dem Namen 'rythm of the magic drum' zeigen, die mir sehr gut gefallen haben. Sie bespielten die Halle mit ruhig meditativen dumpfen Trommelklängen und strahlten in diesem Rahmen tatsächlich etwas feierlich-magisch-kultiges aus.

Ich bat Mats Theselius um ein Foto von diesen Skulpturen für meinen Weblog, welches er mir freundlicherweise zur Verfügung stellte. Herzlichen Dank!

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Auf der Website ext link icon 2121designsight.jp gibt es übrigens genau die Drum-Sounds als Tonuntermalung zu hören, welche in Tokyo erklan- gen.

Mich interessieren zunehmend künstlerische Formen der elektro-akustischen Musikwiedergabe, die selbige auch visuell eindrücklicher inszeniert.

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Das kühn geschnittene Gebäude von Tadao Ando hat einige techni- sche Besonderheiten aufzuweisen, die in ihrer Art einmalig sind und teilweise die Spitzenstellung von japanischer Technologie markieren. Ungefähr 70% vom Volumen der Gebäudestruktur liegen unter der Erde.


So ungern wir in Deutschland mit der Bahn fahren, so gern reisen wir mit den pfeilschnellen Shinkansen in Japan durch die Lande.

Unser Lieblingszug ist der 'Nozomi' ext link icon N700_Series_Shinkansen


Unser nächstes Reiseziel hieß Utsunomiya

Am Bahnhof wurden wir von Matsuo Fujii abgeholt, den ich schon seit einigen Jahren gern einmal treffen wollte, nachdem ich seine faszinierende Gallery WE13a im Internet fand. Thomas Schick aus Berlin hatte mir zudem von einem früheren Besuch dieser Sammlung vor vielen Jahren erzählt und so wartete ich nur auf eine Gelegenheit, diesen japanischen Audio-Sammler einmal persönlich kennen zu lernen und mir seine Kinolautsprecher- und Verstärker-Klassiker einmal studienhalber anzuhören.

Herr Fujii erwies sich als gewinnende Persönlichkeit und als überaus galanter Gastgeber, der sich vor allen Dingen viel Zeit für uns nahm. Wir wissen nicht, wie wir ihm dafür danken sollen! Mit seinem supermodernen Lexus Hybrid fuhr er uns direkt in sein Lieblings- restaurant, das am Rande von Utsunomia im Häusermeer versteckt liegt. Es ist das Artisan-Restaurant des Chefs Kazunori Otawa.

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Spätestens hier merkten wir, dass wir für solche Anlässe nicht ganz die passende Kleidung im Gepäck hatten.

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Das Haus ist wirklich ein Geheimtipp, ich kenne kein zweites Restaurant, das in jedem erdenklichen Detail so kunstsinnig und stilvoll ausgestattet und geführt wird. Fujii-sama hatte einen 'leichten Lunch' für uns vorbestellt. Tatsächlich war die Speisefolge ein mehrgängiges Gedicht.

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Amuse-Gueule - fluffiger Käseschaum mit hauchzarten Inkrustationen

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Salade de fruits de mer - ein farbenfrohes Kunstwerk zum Anbeißen

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Soupe d'oignon nouveau et canard fumé  

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Rôti d'agneau en croute Fukinotou  - der Hauptgang.

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Granité de fraise et soupe de fraise / Café & Mignardises (ohne Bild)

Elysische Aromen und Geschmacks-Blubber tun sich im Mund auf.

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Die feierliche Anspannung und die Konzentration auf die kulinarischen Hochgenüsse wich erst von uns, als uns der freundliche Chef durch die edel ausgestatteten Räume seines Hause führte und uns mit bescheidenem Stolz seine Küchen und chambres séparées zeigte. Der Personalaufwand ist enorm. Für die Süßspeisen und Back- waren gibt es beispielsweise eine hauseigene Konditorei.

An diesem Ort ist wirklich alles Gegenwartskunst und Genuss - eine Insel des Wohlbefindens. Chapeau!

Herr Otawa spricht übrigens etwas Deutsch und Französisch. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, ist er auch noch Karate-Meister hohen Grades und hat früher einmal in Deutschland unterrichtet. Wir waren von seiner Person und seiner Küche sehr beeindruckt und danken ihm herzlich für dieses einmalige Erlebnis!

Feinschmeckern und Ästheten möchte ich das Studium seiner Homepage und seiner Bio ans Herz legen ext link icon otowa-artisan.co.jp   


Für einen Besuch der WE-Gallery trafen wir zufällig nicht den besten Zeitpunkt. Herr Fujii hat nämlich gerade einen größeren Teil seiner Sammlung zu Geld gemacht. Für eine Enttäuschung besteht dennoch nicht den geringste Anlass, denn erstens gab es noch mehr als genug interessantes Material zu sehen und zweitens fuhr uns Herr Fujii zu seinem Freund Hideo Aoki, in dessen kleinem Haus ein großes Western-Electric Horn-System spielte, das ganz wunderbar klang. Sehr verzerrungsarm und musikalisch, wie wir anhand unserer aus Deutschland mitgebrachten Referenz-Aufnahmen festzustellen meinten. Der exemplarische WE-Aufbau von Herrn Aoki wurde schon öfter in der Fachpresse vorgestellt. Unter anderem auch im japanischen 'Stereosound' Magazin ext link icon  stereosound.co.jp

Sein Verstärker, den er nach eige- nen Ideen aus uralten WE-Teilen zusammengestrickt hat, leistet un- gefähr 1 Watt pro Kanal, was auch in dieser Situation einmal wieder ausreichte um damit eine gewaltige Klangfülle und Dynamik zu erzeu- gen. Ich bin mir mit Hideo-san übrigens völlig einig, dass die klei- nen Trioden meist musikalischer klingen als die großen.

Leider ist es mir mangels Stativ nicht gelungen, passable Fotos von dieser Hörsitzung zu machen.

Das obige Bild zeigt einen Ausschnitt aus einer kleineren Halle im Hause Fujii die mit diversen ALTEC Systemen voll gestellt ist, von denen er das eine oder andere kurz anspielte. Im Vordergrund ein WE-555 Treiber.

Ich zeige nur Ausschnitte aus dem überbordenden Teile-Lager. Man muss die aufgetürmten Trümmer und Preziosen selbst gesehen haben -  die Masse erschlägt einem!

Damit war die Gastfreundschaft von Fujii-san aber noch lange nicht erledigt. Er hatte sich ein Unterhaltungsprogramm für volle zwei Tage für uns ausgedacht. Dazu gehörte ein kulinarischer Kurs querbeet durch die regionale Küche indem er uns in verschiedene Speziali- täten Restaurants führte, die wir ohne seine Hilfe niemals hätten finden können.

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Anderntags unternahmen wir einen gemeinsame Ausflug aufs Land. Wenn Fujii-san keine Zeit hatte, uns selbst durch die Gegend zu fahren, delegierte er unsere Betreuung kurzerhand an eine liebe Freundin.

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Die charmante junge Dame Ryoko Sakamoto führte uns als erstes zu einer schönen Tempelanlage, wo wir uns mit kleinen Geldopfern den Segen der guten Geister einholten. Ich glaube, es hat gewirkt! Wir danken Ryoko-san für die nette Begleitung und die schöne Zeit mit ihr!

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Anschließend stand ein Besuch des 'Togichi Prefectural Museum of Fine Arts' auf dem Programm ext link icon art.pref.tochigi.lg.jp wo Meisterwerke des Töpfers Hamada Shoji (1894 - 1978) gezeigt wurden, die als nationaler Kulturschatz gelten.

Die Tochigi Präfektur ist bekannt für 'mashikoyaki' Töpferei, welche meist recht rustikal und erdig wirkt. In diesem Landstrich haben sich viele Künstler angesiedelt. Wir besuchten zwei von ihnen in ihren Ateliers. Die bekannte Keramikerin Ryoko Nakada lud uns zu einem Plausch beim Tee ein und zeigte uns ihre Arbeiten.

Danach fuhren wir alle gemeinsam zu einem Freund von Herrn Fujii, dem Künstler Harvey Young
ext link icon
harveyyoungpottery.com

Nach unseren Abschied von Fujii- san und Ryoko-san durchstreiften wir Utsunomia noch zu Fuß und erlebten wieder einmal die Freund- lichkeit der Anwohner, als man uns als Zaungäste bei einem kleinen Brückenfest anlässlich des Kinder- tages (Kodomo no hi) mit zwei Schachteln frischem Mochi-Konfekt beschenkte.


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