LeBong | SABA Greencone Experiment

Eine schöne Spielerei mit altertümlichen SABA Lautsprechern.
© Johannes LeBong, Karlsruhe, den 01.04.2004. Überarbeitet im April 2007
Homepage: lebong.de


Prolog ::

Den Titel 'Experiment' habe ich bewusst vorsichtig gewählt, weil ich mich spielerisch außerhalb meines bevorzugten Interessengebiets bewege, wo es sonst meistens um Triodenverstärker geht.

Bei meiner Lautsprecherwahl möchte ich mich eigentlich nicht festlegen, sondern die Vorzüge der verschiedenen Konzepte nebeneinander bestehen lassen. Vielleicht kann ich ja mit einigem Glück noch unerhörte Klangwunder aufspüren, von denen ernsthafte Musikfreunde begeistert erzählen?

Sakuma San, der japanische Röhrenklangforscher, schreibt in seiner Audio-Vita zum Beispiel von seinem Erlebnis, wie er einen Lowther-Treiber zähmte, nachdem er in dessen Ton das gewisse Etwas herausgehört hatte, auch wenn dieser Lowther vorderhand eher grässlich klang. Sakuma erzählt, wie er Jahre brauchte, um eine Audiokette auf dieses Chassis auszurichten und diesem die Unarten abzugewöhnen...

Die Lowther Breitbänder genießen in der internationalen Szene schon seit Jahrzehnten ein besonders hohes Ansehen. Über andere Lautsprecher sprach man bisher nur in deutschen Audiozirkeln. Zuerst war es den Sammlern von alten Radios aufgefallen: es gibt da einige außergewöhnliche Fabrikate, die erheblich besser als alle anderen klingen. Eher zufällig - nur durch das Hören - entdeckte man so die SABA-Greencones. Unter diesem Gattungs-Begriff wird eine Sorte von Radiolautsprechern der Marke 'SABA' subsumiert, deren Namen sich von der grünlichen Farbe ihrer Papiermembran herleitet. Es gibt davon durchaus verschiedene Ausführungen, wobei solche mit bestimmten Alnico-Magneten unter Autoritäten die höchste Wertschätzung genießen. Es dauerte viele Jahre, bis das alles klar wurde und sich ganz langsam herumsprach.

Ich wurde also nicht erst seit der anregenden Lektüre des Buches von Dr. Götz Wilimzig und Rudy Gysemberg mit dem Titel 'Höchst empfindlich' auf das Phänomen aufmerksam, dass einige Leute auf die klanglichen Qualitäten dieser gut fünfzig Jahre alten, äußerlich völlig unscheinbaren Chassis schwören. Bestimmte Arten von Programmmaterial wie etwa Kammermusik und Stimmen bilden sie offenbar besonders natürlich ab.

Sinn und Zweck meiner Studie ist es also, mir selbst ein Urteil zu bilden. Um keiner Selbsttäuschung über das erreichte Niveau zu erliegen, sollte am Ende eine exemplarische Greencone-Kette aufgebaut werden, die sich Gäste und Besucher anhören können, als Diskussionsbasis.


RESO-Gehäuse für SABA-Lautsprecher ::

In welchem Gehäuse man die alten Radiolautsprecher wohl am besten zum Klingen bringt? Es wäre das Naheliegendste gewesen, die Chassis erstmal in einen hinten offenen Kasten einzubauen, etwa vom Format wie Opas Radio, oder sie in einer offenen Schallwand zu betreiben.

Für beide Varianten konnte ich mir aber keine ästhetisch ansprechende Lösung vorstellen. Und so entschied ich mich, es zuerst mit elegant rundlich-geschwungenen Gehäuseform zu versuchen. Rundliche Lautsprechersäulen aus dünnem Sperrholz, die mit Breitbandlautsprechern bestückt waren, gab es übrigens schon in den Anfängen des Lautsprecherbaus.

Aus physikalischen Gründen hat die von uns gewählte Form gegenüber einem eckigen Kasten den Vorteil, dass sich weniger stehende Wellen im Inneren ausbilden können.

Ein passender Begriff für solche Gehäuse, die konstruktionsbedingt partiell mitschwingen, fand sich später. Ich nenne sie verallgemeinernd RESO-Gehäuse - eine Bezeichnung, die sich nach meiner Veröffentlichung im Internet eingebürgert hat.


Designphase ::

In der Person von Niels von der Osten Sacken fand ich den idealen Kooperationspartner für dieses Bastelprojekt. Als gelernter Architekt hat er ein Händchen für charmante Holzkonstruktionen. Er machte sich Gedanken, wie man die dünnen Seitenwände aus Sperrholz durch eine raffinierte Konstruktion unter einer permanenten Biegespannung hält, entwickelte Hilfsmittel für den Zusammenbau und so weiter. Ehe ich mich umsah, waren die Holzteile geschnitten und ich konnte beim Zusammenleimen assistieren. Bald stand der Rohbau auf seinen drei filigranen Beinen und ich konnte Niels nur noch danken. Das Finish war dann meine Hausaufgabe - Schleifgrund, Feinschliff, Endlackierung - nicht der Rede wert.

 

Die Chassis ::

Bei meinen Greencones handelt es sich um die Typen mit einem 7500 Gauß AlNiCo-Hufeisenmagneten. Der Durchmesser des einfachen Blechkorbs beträgt 200mm. NAWI-Membran (nicht abwickelbare Kegelfläche), Sicke, Spulenträger und Staubkappe sind aus leichtem Kraft-Papier, was auch ein Grund ist, warum man diese Lautsprecher heute noch verwenden kann. Sie erwiesen sich, was das verwendete Rohmaterial betrifft, als weitaus alterungsbeständiger als die Chassis neuerer Herstellung, bei denen Gummisicken, Schaumstoffe oder ähnliches verbaut wurden.

Die zugehörigen Hochtöner bettete ich weich in fingerdicke, naturfarbene Filzringe, die am Rande großzügig überstehen. Sie haben den Zweck, den Treiber gegenüber der Schallwand einzudichten und an den Kanten auftretende Schallreflektionen zu reduzieren. Der Körperschall wird nicht auf das Gehäuse übertragen und es ergibt sich eine günstige Abstrahlcharakteristik.

Mit meiner Materialkombination aus Naturholz / Wollfilz / Bakelit / Papier in dieser Form, wollte ich zudem eine visuelle Anmutung erreichen, die das Retrodesign-Moment dieses Entwurfs noch besonders betont.


Frequently Asked Questions

Thank you very much for visiting my DIY audio pages! Many people around the world have sent me friendly comments and questions. Please understand that I am not able to respond to each email. It is impossible for me to help individuals building their amplifiers and loudspeakers. I also do not deliver parts and construction drawings.

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Vielen Dank für Ihr Interesse an meinen Do-It-Yourself Audioseiten! Viele Leute aus aller Welt haben mir schon freundliche Kommentare und Fragen gemailt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass mir die Zeit fehlt, individuelle Hilfestellungen für Bastelprojekte zu geben.


Exemplarischer Aufbau beim ETF04 ::

Auf das European Triode Festival 2004 in Langenargen www.triodefestival.net, wo sich die internationale DIY-Community drei Tage in geschlossener Gesellschaft traf, nahm ich eine exemplarische SABA-Anlage mit. Sie bestand aus einem von mir revidierten THORENS TD-160 Plattenspieler mit DENON DL-103 Pickup, Stepup-Trafos aus meiner eigenen Edition, samt Phonovorstufe, Endverstärker und Lautsprecher.

In dieser puristischen Kette befinden sich - vom Moving Coil Abtaster bis zum Schallwandler - lediglich vier Triodensysteme im Signalweg. Das kommt der musikalischen Durchgängigkeit hörbar zugute.

Wo sonst hat man die Chance, dass einem so viele hochgeschätzte Persönlichkeiten der Audioszene in Ohr leihen? Und das in völlig stressfreier Atmosphäre. Darunter waren die Herren Uchida aus Japan, Jean Hiraga aus Paris, Steve Bench aus USA, Morgan Jones aus England und last but not least rund achtzig andere Kenner mehr.

Die auffällig relaxte und detaillierte Musikwiedergabe meiner minimalistischen Zusammenstellung überraschte die meisten Zuhörer buchstäblich - diese Aussage ist keinesfalls übertrieben.

 

Beim European Triode Festival wurden auch Messungen mit einem professionellen Audio-Analyzer vorgenommen, die den sehr ausgeglichenen Frequenzgang der gesamten Kette zwischen 70Hz-16kHz am Hörplatz nachwiesen.

Audio-Experten bei der Interpretation des Frequenzgangs.
Dietmar Hampel (Deutschland), Kari Nevalainen (Finnland), Jean-Michel Le Cléac'h (Frankreich)

Ich bin diesen Herren sehr dankbar dafür, dass sie meinen Lautsprechern ihre Aufmerksamkeit schenkten.


Resümee ::

Die guten Ergebnisse mit diesem experimentellen Lautsprechergehäuse spornten mich an, das Thema 'SABA Greencone' weiter zu verfolgen. Meine Reso|Beta entstand in dem Bestreben, kleine Schwächen dieser Erst-Konstruktion zu überwinden und neue Ideen auszuprobieren.