LeBong | 5691/1626 'Darling'-Verstärker

© Johannes LeBong, Karlsruhe, den 29.04.2004
Homepage: lebong.de


Prolog ::

Ein befreundeter Arzt hatte mich mit einem liebenswürdigen alten Herren bekannt gemacht, der sich zuhause ein Privatlabor eingerichtet hatte. Man muss sich darunter einen Raum mit musealer Anmutung vorstellen, voll gestopft mit altertümlichen physikalischen Apparaturen, Schalttafeln, Generatoren und Messinstrumenten.

Dazu verfügte er über ein Materiallager, welches das Herz des Röhrenfreundes höher schlagen lässt. Dem alten Herrn verdanke ich viele wertvolle Bauteile, zum Beispiel die Ausgangsübertrager aus einem alten SABA Stereoradio und einen Netztrafo, die ich für das hier beschriebene Projekt verwendete.

Ein anderer Freund sagte mir noch: "Ich hab' da ein paar putzige Sendetrioden liegen, die dir sicher gefallen. Sie sehen fast aus wie kleine 300B... "

So viel zu den entscheidenden Auslösern, die mich bewegten, nach dem Vorläuferprojekt 'SABA Mainau' noch einen weitern Low-Tech / Low-Power-Amp zu konzipieren. Diesmal mit ausgesprochen hübschen Tuben,  nämlich den 1626 Marke RVA / MARCONI.

Die 1626 entsprechen den RCA VT137 von HYTRON. Diesen Röhrenschönheiten stelle ich eine RCA 5691 'Special Red Series' zur Seite. Bei dieser Hi-Mu Twin Triode handelt es sich um eine heute sehr gesuchte Edelversion der 6SL7 - kompatibel zu dieser, aber mit einer weitaus höheren Lebensdauer und weniger mikrofonisch.

  

Damit komme ich endlich auf mein Lieblingsthema zurück, wieder einmal einen astreinen Trioden-Eintakter zu bauen.


Konzept ::

Die Namensgebung soll folgendes aussagen: 5691 steht für die Treiberröhre, 1626 steht für die Endtriode und DARLING klingt einfach nett. Dass ich diesen Kosenamen ebenfalls verwende, ist als Hommage an Bob Danielak gedacht. Er hatte diese kleine Sendetriode als einer der ersten für einen Audioverstärker verwendet welchen er 'Darling' taufte.

Den Original Sound Practices Artikel mit der ganzen Geschichte, gibt es hier als PDF zum Download. Dieser Artikel hat Schule gemacht und offenbar viele Röhrenfreunde dazu bewegt, sich näher mit der Röhre 1626 zu beschäftigen. So findet sich eine veritable Galerie von Selbstbauten auf der Darling-Club-Site von Yeo aus Malaysia.

 

Mein Darling dürfte wohl zu den seltenen Exemplaren gehören, bei denen SABA-Ausgangsübertrager unter der Haube stecken. Der Vorteil: sie sind optimal auf meine Lieblingschassis, die SABA 'Greencones' mit ihrer heute ungewöhnlichen Impedanz von 5 Ohm angepasst. Mit 10k Primärimpedanz ermöglichen sie einen Arbeitspunkt, bei dem die kleine Sendetriode wenig klirrt.

Die Trafos habe ich mit Spezialharz in Edelstahlhauben vergossen. Hauptsächlich machte ich das, um die altersbedingt etwas brüchigen Teile mechanisch zu stabilisieren.

Obwohl ich ja liebend gerne auf unnötige Bauteile verzichte, ging mir die Sparsamkeit von Bob Danielak in seinem Schaltungsvorschlag zu weit. Bob nutzt einen einzigen Kathodenwiderstand mit Bypass-Cap gemeinsam für beide Endröhren, was meiner Meinung nach zu Phasenproblemen führt. Zudem hat er die Versorgungsspannung der Vorstufe nur ungenügend entkoppelt. Außerdem wollte ich es ihm ja nicht gleichtun und eine 5965 als Treiber verwenden, sondern eine 5961 oder 6SL7 als meine eigene Variante.

Wie gesagt, außer der Namensgebung gibt es somit keine Gemeinsamkeiten mit Bobs Schaltung oder anderen im Internet publizierten Darling-Schaltungen mehr.

 

Ein paar Hinweise zu meinem Schaltplan: Die Heizungsanschlüsse der Röhren sind in grün markiert. Das Eingangspoti darf auch niederohmiger sein - 100k log. beispielsweise.

 


Metalwork ::

Das Gehäuse ist aus Druckguss. Es stammt von der Firma Hammond. Mit dieser betont schlichten Optik schreibe ich meine neue Designlinie für kleine Verstärker fort, die ich bereits 2003 angefangen hatte.


Der Netztrafo entstammt ebenfalls einem alten SABA Radio. Ich wickelte kurzerhand noch ein paar Volt mehr auf die vorhandene Heizwicklung mit 6,3 Volt, welche für die Vorröhre gebraucht werden. Mit etwa 25 Windungen Kupferlackdraht kam ich so auf zusätzliche 12,6 Volt, welche die Endröhre benötigt. Verwendet man statt der 6SL7 die 12SL7, kommt man für die Heizstromversorgung mit einer einzigen Heizspannung von 12 Volt aus.

Für dieses Chassis verwendete ich übrigens Military Grade Röhrensockel der Firma OMRON. Diese bestehen zwar nicht aus Keramik und haben auch keinen dünnen Goldüberzug wie die Dinger aus China, dafür sind sie umso präziser gefertigt und haben bessere Kontakte.

 

Vom Netzteil habe ich nicht extra eine Reinzeichnung angefertigt. Es entspricht in etwa demjenigen aus dem SABA Radio, aus dem auch noch die Siebdrossel stammt. Meine Siebkapazitäten habe ich mit 100 µF etwas höher bemessen. Das folgende Bild ist ein Auszug aus einem SABA Plan an dem man sich grob orientieren kann.

Hier noch mal mein Kästchen in Rückenlage. An den Ausgangsklemmen hängen vorerst noch Dummy-loads mit 8 Ohm. Richtige Lautsprecher schließe ich immer erst an, wenn sich nach dem ersten Zuschalten der Betriebsspannung auf meinen Messgeräten die erwarteten Werte zeigen, und wenn auch die Geruchsprobe in den ersten Minuten nichts verdächtiges ergibt. 

Der fertige Verstärker machte sogleich gute Laune. Man könnte ihn als Plug&Play Verstärker bezeichnen, da er unmittelbar nach dem Einstecken sehr schön spielte. Brummen oder Rauschen war nicht zu hören. Und auch zum Beispiel kein Knacksen beim Ausschalten. Und das alles an den hochempfindlichen SABA Lautsprechern. So muss es sein!


 


Resümee ::

Der Höreindruck meines 5691/1626 'Darling' bei der ersten Sitzung an den SABA Greencones war sehr lieblich. Er macht seinem Namen damit alle Ehre - musiziert softer als mein 'Mainau-Verstärker' mit der El95 Endpentode. Man kann in dem Sound den typischen, warmen Triodenklang hören. Meine Frau und einige andere Audiofreunde aus unserer Clique meinten, ihnen gefällt dieser Klang am besten.


Finale Edition ::

Aufgrund der zahlreichen positiven Kommentare von Hörern bei mir zuhause, beschloss ich wieder einmal eine gesteigerte Version dieses kleinen Stereoverstärkers mit erlesenen Zutaten zu entwickeln.

Beim European Triode Festival 2004 war dieser 1626|SE Teil meiner Vorführ-Anlage.

Er profitiert von einer leicht geänderten Vorstufe und besseren Ausgangstransformatoren. Die integrierte Stromversorgung enthält einen Eingangs-Netzfilter, einen magnetisch geschirmten Ringkerntrafo, sowie üppig dimensionierte Siebkapazitäten.

Wie ungehemmt die Trioden hier aus dem Vollen schöpfen, wird deutlich, wenn der Verstärker nicht gleich verstummt, nachdem die Stromzufuhr vom Netz unterbrochen wurde. Vorschaltgeräte zur 'Reinigung' des Netzstroms braucht dieser Verstärker jedenfalls nicht.

Ein Alleinstellungsmerkmal dieses Verstärkers ist eine Hilfsschaltung, die eine Verbesserung des ohnehin schon ausgezeichneten Störspannungsabstandes bewirkt. Es handelt sich dabei um eine technische Innovation.

Alle Trioden werden mit 50Hz-Wechselstrom geheizt, um eine gleichmäßige Emission und Abnutzung des Heizfadens zu erreichen. Letztlich kommt das Ergebnis meiner besonderen Schaltungs-Maßnahme der Auflösung von feinsten Musiksignalen zugute, was man natürlich am stärksten an hochempfindlichen Lautsprechern bemerkt. Die tolle Feinauflösung dieses Verstärkers ist auch das, was viele Hörer neben den schönen Klangfarben sogleich wahrnehmen.


 

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